Und täglich grüßt das Murmeltier

Im letzten Blogpost habe ich darüber geschrieben wie ich eine positive Reiteinheit erreichen kann. Und kaum zwei Wochen später, reite ich schon wieder in eine Falle aus Frust und Ärger! Diesmal ist mein Auslöser eine Hausaufgabe meiner Reitlehrerin, die ich in der Zeit zwischen unserem Reitunterricht üben soll. Sie hat es wunderschön formuliert: “Spiel ein bisschen damit rum!” Es ist also gar kein strenge Aussage gewesen wie “Und beim nächsten Mal muss es funktionieren!”. Also los! Voller Motivation und Freude reite ich meinen Dicken und wage mich an diese Übung, die Vorbereitung ist aus meiner Sicht in Ordnung gewesen. So kann ja nichts mehr schief gehen!

Was soll ich sagen? Es funktioniert kein einziges Mal! Ziel ist es, dass er vom versammelten Galopp den Übergang in den versammelten Trab geht. Pino soll nicht mit Energie nach vorne schießen, sondern schön auf seinen Hinterbeinen bleiben und federn - wie im Bilderbuch.

Warum, weiß ich nicht, es klappt nicht ein einziges Mal. Ich probiere es oft. Kennt ihr das, wenn ihr euch an einer Aufgabe festbeißt? Und sie immer und immer wieder reitet - immer mit dem gleichen Ergebnis? Ich bin fassungslos. Schließlich hatte es bereits gut funktioniert, warum denn jetzt nicht? Ich denke: “Das kann doch nicht sein. Na ja, ich probiere es kurz noch einmal.” Und aus diesem einem Mal wird noch einmal und noch einmal und noch einmal.

 

Ihr könnt es euch vorstellen, sowohl meine als auch die Motivation meines Süßen sind im Keller - wir sind weit davon entfernt mit einem positiven Ergebnis die Stunde zu beenden. Seine körperliche Erschöpfung ist zu spüren: Seine Bewegungen sind nicht mehr kraftvoll, er nutzt Ausweichbewegungen, um nicht mehr die richtige Muskulatur zu benutzen.

Dressurarbeit heißt für mich auch, bei jedem Reiten wieder ein kleines Puzzleteil zum großen Ganzen hinzufügen. Ich erwarte keine großen Verbesserungen in einer Reiteinheit, sondern baue mit vielen kleinen Schritten kontinuierlich das Pferd auf. Auf diesem Weg kommt dann automatisch als Ergebnis eine neue Lektion oder die Verbesserung der Gangart heraus.  

Da mache ich mir nichts vor: Das sind jetzt eher Rückschritte als Wachstum. Ich bin sehr frustriert und ärgere mich über mich selbst.

 

Wie gehe ich dieses Mal damit um? Im letzten Blogpost habe ich konkrete Beispiele für eine Lösung erarbeitet. Das erscheint mir dieses Mal zu schwammig, weil es jedes Mal eine andere Übung sein kann, die meinen Teufelskreis von ständigem Wiederholen und Feststecken auslöst. So in Gedanken stehe ich in unserer Küche und gucke missmutig durch die Gegend, als mein Mann reinkommt. Ich erzähle ihm die Geschichte - und seine Antwort ist: “Ja, wie Buddha schon sagt: Life is suffering!” Na, toll, denke ich, Leben ist Leiden?! Das kann ja wohl nicht sein! Grummelnd und lachend frage ich nach, was dieser Satz bedeutet.

“Es meint, dass du dein Glück von einem Ziel abhängig machst. ‘Wenn ich nur XYZ erreicht habe, dann bin ich glücklich.’ Anstatt jetzt mit dem glücklich zu sein was da ist. Akzeptierst du den Moment, kannst du natürlich von dort über Verbesserungen nachdenken und dein Glück nicht an das Ergebnis deiner Taten hängen.”

Das heißt, ich setze mich auf mein Pferd. Er fühlt sich z.B. noch nicht gelöst und locker an. Vielleicht ist er sogar so angespannt durch ein Geräusch draußen, dass es zum Pass gehen im Schritt tendiert. Und dabei bin ich glücklich?! Das klingt für mich erstmal gruselig. Bei dem Gedanken muss ich sogar Lachen - aus Verzweiflung? Ich bin mir nicht sicher. Nun ja, Lachen ist schon mal besser als der Frust, den ich vorher hatte.

 

Ich stelle es mir also mal hypothetisch vor: Ich sitze auf meinem Pferd und fühle und gucke wie er sich bewegt - mit einer Distanz als ob mein Pferd ein Berittpferd von mir wäre. Ich spüre was ist, bin aber nicht zu sehr emotional mit dem Ziel oder dem Ergebnis verbunden. Ich fühle mich weicher und liebevoller an.

Ich erinnere mich an viele Male, als ich das Gefühl mit Pino schon hatte. Ich sitze lächelnd auf dem Pferd, fühle das mein Körper gelöst und weich mit den Bewegungen mitschwingt, mein Gesicht ist weich. Ich strahle und freue mich über meinen Dicken.

Wie ändere ich von jetzt auf gleich mein Gefühl?

Ein (Self-)Coaching

Ich möchte nicht erst irgendwann in der Zukunft glücklich sein. Trotzdem hat es leider nicht ad hoc funktioniert meinen Frust loszulassen. Ich konnte nicht sofort gelöst und frei nach vorne schauen. Geprägt durch meine Arbeit hat mir eine Art Self Coaching geholfen. Wenn ihr ein Coaching einmal ausprobieren möchtet, meldet euch gerne bei mir. Entweder per Email,  telefonisch unter 0172-4297621 oder über das Kontaktformular.

Von diesem Zustand aus ist wieder alles möglich. Ich bin flexibler und kann schneller darauf reagieren, was da ist. Ich schaue liebevoll auf z.B. Pinos schwaches linkes Hinterbein und überlege, was ich zur Stärkung tun kann. Von diesem geistigen Zustand kann ich schneller eine Übung abbrechen, wenn ich merke, dass es heute zuviel für mein Pferd ist. Ich habe kein Gefühl der Enttäuschung mehr.

Die Akzeptanz und auch der Genuss darüber, was schon da ist, macht mich frei neu zu entscheiden wie unser Weg ist.

Ich kann schneller Parallelen ziehen zwischen einer vorherigen Einheit und jetzt, z.B. wenn ich ein Bewegungsmuster schon kenne: Was hat damals geholfen und was nicht? Was will ich heute neues ausprobieren, um zu unterstützen?

 

Wie am Anfang dieses Blogposts beschrieben, hilft mir diesmal nicht eine spezielle Lösung für ein Problem zu finden. “Reite nicht 15 Minuten die gleiche Lektion. Erst recht nicht, wenn sich das Ergebnis nicht ändert!”. Das wusste ich schon vorher. Ich konnte dies nicht anwenden, weil ich das von mir gewünschte Ziel nicht loslassen konnte. Jetzt habe ich meine mentale Einstellung geändert. Damit habe ich die Möglichkeit, den Hinweis auch umzusetzen oder schon innerhalb von neuen Herausforderungen über andere Wege nachzudenken.

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